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Humanocracy

Auf der Suche nach der Humanokratie

  • Sven Kette
  • Kai Matthiesen
  • Donnerstag, 13. Juni 2024

Dies ist der Auftakt einer Reihe, die das Management-Sachbuch Humanocracy diskutiert. Den Kern von Humanocracy bilden sieben Prinzipien, die Orientierung geben sollen, wenn man Organisationen gestalten oder in ihnen handeln muss.

Bisher in der Reihe erschienen:

Der Kerngedanke 

Der Vorstandsvorsitzende der Bayer AG, Bill Anderson, hat das 2020 erschienene Buch Humanocracy. Creating Organizations as amazing as the people inside them von Gary Hamel und Michele Zanini einmal als seine Bibel bezeichnet. Und das kürzlich bei Bayer eingeführte ‚Operating Model‘ Dynamic Shared Ownership übernimmt zentrale Ideen von Hamel/Zanini. Wenn erfolgreiche Manager:innen den Ideen eines Buchs derart vertrauen; wenn die im Buch gegebenen Antworten derart gut zu ihren Problemen und Herausforderungen zu passen scheinen, dass sie ‚ihre‘ Organisation entsprechend gestalten wollen – dann lohnt es, diese Ideen genauer zu verstehen und über sie zu diskutieren.

Der Mensch in der Humanocracy

Der Grundgedanke von Humanocracy ist einfach zusammengefasst: Menschen sind dann am produktivsten, wenn sie sich gut entfalten können und bürokratische Organisationsstrukturen stehen dieser Entfaltung im Wege. Damit ist Bürokratie als Hauptproblem ausgemacht: Sie hemme Innovativität, gehe zu Lasten der Effizienz und verhindere, dass Menschen sich entsprechend ihrer Natur entfalten können. Deshalb plädieren die Autoren für eine radikale Abkehr von der Bürokratie und für eine Hinwendung zum Menschen, zu seinen Fähigkeiten und seinen Bedürfnissen. Richte man die Organisationsstrukturen nur konsequent an den Bedürfnissen der Menschen aus, führe man die eigene Organisation zu neuen Spitzenleistungen – so das Versprechen.

Humanocracy referiert gleich mehrfach auf den Menschen.

  • Erstens verspricht Humanocracy eine Form von Organisation zu sein, die humaner ist, für die Menschen in ihr also besser erträglich.
  • Zweitens habe die Humanocracy den Vorteil, die Organisationen gleichsam mit menschlichen Fähigkeiten bzw. Eigenschaften auszustatten. Hamel/Zanini denken dabei vor allem an Kreativität, Leidenschaft, Resilienz und Anpassungsfähigkeit.
  • Eine dritte Referenz auf den Menschen ergibt sich schließlich aus dem strukturellen Stellenwert, den Organisationsmitglieder als Menschen im Kontext von Humanocracy haben: Alles hängt am Menschen, an seiner seiner Leidenschaft und Motivation.

Bürokratische Strukturen, so die Annahme der Autoren, unterlaufen alle drei genannten Aspekte. Bürokratien seien gerade nicht kreativ, leidenschaftlich und adaptiv, sondern regelversessen, repetitiv und auf Stabilität hin ausgerichtet. In einer solchen Umgebung verkümmerten Menschen, weil ihr natürliches Leistungsstreben permanent ausgebremst werde. Und den Grund dafür sehen Hamel/Zanini vor allem darin, dass bürokratische Strukturen sich eben nicht zuerst an Menschen, sondern an Regeln und Hierarchien orientieren.

Die Organisation der Humanocracy

So bedeutsam der Mensch in der Humanocracy auch sein mag – im Kern geht es um einen organisationalen Wandel. Die bürokratischen Strukturen der Organisation sollen ersetzt werden, um damit den organisationalen Erfolg zu steigern. Für diesen Umbau adressieren Gary Hamel und Michele Zanini aber nicht direkt die Ebene der konkreten Organisationsstrukturen. Vielmehr argumentieren sie deutlich abstrakter, indem sie vor allem Prinzipien vorstellen, die den Weg zur Humanocracy weisen sollen. Überzeugungen und Glaubenssätze, die Orientierung stiften sollen bei der Gestaltung von und dem Handeln in Organisationen. Konkret benennen die Autoren sieben Prinzipien als Kern von Humanocracy:

  1. Das Prinzip der Ownership
  2. Das Prinzip des Marktes
  3. Das Prinzip der Meritokratie
  4. Das Prinzip der Gemeinschaft (Community)
  5. Das Prinzip der Offenheit (Openness)
  6. Das Prinzip des Experimentierens
  7. Das Prinzip der Paradoxie

Unser Anliegen

Die Prinzipien klingen zunächst gut. Wer würde gegen Ownership, Meritokratie oder Gemeinschaft etwas sagen wollen? Zugleich stehen am Anfang unserer Auseinandersetzung mit Humanocracy doch Zweifel: Ist Bürokratie wirklich so übel, wie Hamel/Zanini es darstellen? Ist Humanocracy wirklich derart human, wie dies im Buch behauptet wird? Auch diesen Zweifeln wollen wir nachgehen. Dabei geht es uns nicht darum, das Konzept der Humanocracy pauschal zu verwerfen. Vielmehr wollen wir die Annahmen hinter dem Konzept verstehen und uns mit diesen auseinandersetzen. Wir fragen: Was überzeugt uns? Was müsste man zusätzlich im Blick behalten? Und wie könnte das gehen?

Die Auseinandersetzung mit Humanocracy werden wir in Einzelbeiträgen führen, die sich jeweils einem der sieben Kernprinzipien widmen.

Wir hoffen auf Reaktionen, um die Prinzipien der Humanocracy intensiv diskutieren zu können.

Den Abschluss der Reihe wird dann eine Gesamtwürdigung von Humanocracy bilden, wobei wir Einsichten aus den vorangegangenen Diskussionen zu den einzelnen Prinzipien aufnehmen werden.

Wir freuen uns auf den Diskurs!

Autoren
sven-kette

Dr. Sven Kette

ist vor allem vom Wechselspiel aus Erwartungen und Überraschungen in Organisationen fasziniert.

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Kai Matthiesen

Dr. Kai Matthiesen

hat ein besonderes Augen­merk auf die alltäglichen Aufgaben von Organisations­mitgliedern – und was von ihnen formal eigentlich gefordert ist.

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